Kursabschnitte

2. Teil - medizinische/logopädische Grundlagen

22. Stimmstörungen

Dysphonien

Darunter versteht man alle Störungen der Stimmerzeugung, die ihre Ursache in organischen, psychogenen, funktionellen oder endokrinen Erkrankungen bzw. Störungen haben.

Auch Tonlagenänderungen oder ein kompletter Ausfall der Stimme (Aphonie) sind möglich.

CAVE

Husten oder Heiserkeit, länger als vier Wochen persistierend.

1. Organische Dysphonie

Angeborene Fehlbildungen im Kehlkopfbereich

  • Aussackungen (Laryngozelen)
  • Blutschwämme (Hämangiome)
  • Kehlkopferweichung (Laryngomalazie)
  • “Häutchen” (Membranen)
  • Kehlkopfeinengung
  • Sulcus glottidis
  • Stimmlippenknötchen

Verletzungen und Verletzungsfolgen im Kehlkopfbereich

  • Aryluxation
  • Kehlkopfeinengung
  • Traumen
    CAVE – Recurrensparese (beidseitig)

Entzündungen und Entzündungsfolgen im Kehlkopfbereich

  • akute Laryngitis
  • chronische Laryngitis
  • Epiglottitis
  • Pseudokrupp
  • Gastroösopharyngealer Reflux

Kehlkopfknoten und Kehlkopftumoren

  • Stimmüberlastungsknötchen
  • Reinke-Ödem
  • Zyste
  • Papillom
  • Stimmlippenpolyp
  • Karzinom

2. Funktionelle Stimmstörungen

Es besteht eine Dysbalance der an der Stimmbildung beteiligten Muskulatur.

  1. Hyperfunktionelle Dysphonie:

Sie entsteht, wenn die Muskeln, die an der Stimmbildung beteiligt sind, einen zu hohen Kraftaufwand leisten. Dadurch kommt es zur Verspannung dieser Muskeln. Auch angrenzende Muskelgruppen im Gesichts-, Hals- und Nackenbereich können verspannt sein.

Der Grund dieser Verspannung ist meist ein permanenter übermäßiger Stimmeinsatz. Die Stimmlippen können nicht frei schwingen, was in einer gepressten und knarrenden Stimme resultiert.

  1. Hypofunktionelle Dysphonie:

Hier liegt eine Unterfunktion der Muskeln im KK vor, dadurch kommt es zu einem inkompletten Stimmlippenschluss. Dadurch entweicht Luft, was als hauchendes Geräusch in der Stimme wahrgenommen wird. Die Stimme klingt kraftlos und matt.

Ursächlich dafür sind meist Erkrankungs- oder Erschöpfungszustände bei allgemeiner Leistungsschwächung des Körpers.

  1. Dysphonia mixta:

Dysphonie mit schwankend, wechselnder Symptomatik zwischen hypo- und hyperfunktioneller Dysphonie.

3. Psychogene Dysphonie oder Aphonie:

Auslöser sind in der Regel länger anhaltende psychische Faktoren.

Die psychogene Aphonie ist eine plötzlich eintretende Stimmlosigkeit, bei der der Patient nur noch tonlos flüstern kann. Auslöser sind meist akute psychische Belastungssituationen.

4. Endokrine Dysphonie:

Dysphonie aufgrund hormoneller Störung oder Dysbalance, z.B. Mutationsstimmstörung aufgrund von Menstruation, Schwangerschaft, Klimakterium oder Schilddrüsenproblematik.

Sonderformen

  • Dysphonia clericorum – bei Rednern (zum Beispiel Predigern), als Folge einer Überbeanspruchung der Stimme, meist schmerzhaft
  • Dysphonia paralytica – bei Schädigung des Nervus vagus oder seines Astes N. laryngeus (meist inf.) [N. recurrens]
  • Dysphonia puberum – während des Stimmbruchs
  • Dysphonia spastica (Aphonia spastica oder Mogiphonie) – gepresste, abgehackte, knarrend einsetzende Stimme durch Zusammenpressen der Stimmlippen und der Taschenfalten beim Versuch der Phonation, insbesondere bei Rednern oder als neurotisches Symptom (abzugrenzen von der spasmodischen Dysphonie, einer Form der Dystonie)
  • Dysphonia senilis – die Altersstimme

Kindliche Stimmstörungen

Kindliche Stimmstörungen zeigen sich in einer starken Heiserkeit und Rauigkeit des Stimmklanges.

Ursachen

  1. Nichtfunktionelle Störungen:
  • Entzündungen (z.B. Laryngitis)
  • Stimmlippenzysten /-polypen
  • Larynxanomalien/Larynxpapillomatose
  1. Hormonell bedingte Stimmstörungen
  2. Traumatisch bedingte Stimmstörung
  3. Hörstörung
  4. Funktionelle Störungen

Meistens liegt die Ursache im Fehlgebrauch der Stimme. Hierzu kommt möglicherweise auch noch eine unvollständige Ausreifung der Muskulatur, genetische Schwächen, Phonationsverdickungen, Schlussunfähigkeiten der Stimmlippen und endokrinologische Faktoren.

Symptome

  • Veränderter Stimmklang: Stimme klingt heißer, gepresst, rau, zu laut oder zu leise, belegt, diplophon, zu hoch oder zu tief, verhaucht, oder bricht sogar ganz ab
  • Schmerzen im Bereich des Halses und Husten
  • Atemprobleme /Dyspnoe
  • Stimmschwäche am Ende des Tages
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